Fondsgebundene Rentenversicherung: Lohnt sich ein Wechsel des Anbieters?

Gespeichert von Johannes Kappler am Mi., 10.07.2019

Dank der aktuellen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank haben es Banken und Versicherer schwer Produkte mit attraktiven Zinsen anzubieten. Auch deshalb bieten Versicherer für ihre Altersvorsorgeprodukte aktuell lediglich noch maximal 0,9% garantierte Zinsen (Stand 06/2019). Inflationsbereinigt und nach Abzug der Kosten machen solche Produkte nur noch bedingt Sinn. Aus diesem Grund werden von Versicherungsvertrieben zur Altersvorsorge gerne Fondsgebundene Rentenversicherungen (auch Fondspolicen genannt) verkauft. Vorausgesetzt gewisse Bedingungen sind erfüllt, bieten diese eine rentable Alternative zur Altersvorsorge. Welche Bedingungen dies sind und wie du prüfen kannst, ob deine Fondsgebundene Rentenversicherung zu den „guten“ gehört, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Die Top 5 Checkliste

  1. Art deines Tarifs (Provisions-, Direkt- oder Nettotarif)

    Zunächst solltest du prüfen, um welche Tarifart es sich bei deiner Fondsgebundenen Rentenversicherung handelt. Wenn du deinen Vertrag bei einem klassischen Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler abgeschlossen hast, handelt es sich meist um einen Tarif mit recht hohen Abschlusskosten. Normalerweise sind diese Tarife gezillmert, d.h. die Kosten für die Abschlussprovision werden i.d.R. über die ersten fünf Jahre deinem Monatsbeitrag entnommen. Im Klartext heißt dies, dass von deinem Monatsbeitrag lediglich ein Teil tatsächlich angelegt wird. Der Rest geht als Provision an den Vermittler. So bist du die ersten Jahre nur durch diese Kosten konsequent im Minus. Ganz egal wie erfolgreich sich die Anlage entwickelt.
    Besser Alternativen sind oft Direkttarife (per Onlinevertrieb erhältlich) oder Nettotarife (über sog. Honorarberater erhältlich). Diese bieten oft geringere Abschlusskosten oder verzichten gänzlich auf eine Zillmerung.
    Was aber tun, wenn in dein Vertrag schon mehr als 5 Jahre läuft und die teuren Abschlusskosten bereits bezahlt wurden? Schaue auf die folgenden Punkte der Checkliste an. Schneidet der Tarif in diesen schlecht ab? Dann nichts wie Weg damit. Falls du dir nicht sicher bist, helfe ich dir unter folgendem Link gerne weiter: Zur Vertragsprüfung
  2. Garantierter Rentenfaktor

    Bei Fondsgebundenen Rentenversicherungen wird deine zukünftige Mindestrentenhöhe mittels eines sogenannten garantierten Rentenfaktors ermittelt. Diese Rentenfaktor sagt aus, wieviel monatliche Rente du pro 10.000€ verrentetem Guthaben garantiert bekommst. Hast du zu Rentenbeginn beispielsweise 100.000€ angespart und der garantierte Rentenfaktor deiner Rentenversicherung beträgt 28,50€, bekommst du von Beginn an mindestens 285€ monatliche Rente ausgezahlt (Berechnung: (100.000€/10.000€)*28,50€=285€ ). Je höher dieser garantierte Rentenfaktor ist, desto besser. Zudem solltest du darauf achten, dass der Rentenfaktor im Kleingedruckten nicht ohne weiteres herabgesetzt werden kann, beispielsweise durch eine Treuhänderklausel.
  3. Effektivkosten

    Um die echten Kosten zwischen verschiedenen Anbietern vergleichen zu können, wird die sogenannte Effektivkostenquote berechnet. Diese Zahl sagt aus, wie stark deine Rendite über die gesamte Laufzeit gesehen geschmälert wird. Würdest du vor Kosten beispielsweise eine Rendite von 6% erwirtschaften und die Effektivkosten würden 2% betragen, hättest du real lediglich eine Nettorendite in Höhe von 4%. Somit sind die aufgezeigten Ablaufleistungen in Verträgen oftmals nicht haltbar, da die Kosten einfach viel zu hoch sind. Die Effektivkostenquote findest du immer im Produktinformationsblatt deines Vertrages. Oft etwas versteckt im Kleingedruckten, die Angabe ist jedoch verpflichtend, daher findet man sie immer in irgendeiner Form. Zudem ist anzumerken, dass die Effektivkosten immer von der vollen Vertragslaufzeit ausgehen, kündigst du deinen Vertrag früher, können diese weit höher ausfallen, vor allem bei den bereits angesprochenen Tarifen mit hohen Abschlusskosten innerhalb der ersten 5 Jahre. Infos zu den Kosten bei früherer Vertragskündigung findest du im Basisinformationsblatt deines bestehenden Vertrages. Auch dieses ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben.
  4. Flexibilität

    Ein weiter wichtiger Punkt bei Fondspolicen ist die Flexibilität des Vertrags. Sind Zu- und Auszahlungen sowie Beitragsanpassungen möglich? Kannst du deinen Rentenbeginn flexibel verändern (im Optimalfall sollten die Berechnungsgrundlagen des garantierten Rentenfaktors trotzdem weiterhin gültig sein)? Oft lassen sich Vertrieb und Versicherer diese Flexibilität mit zusätzlichen Provisionen und Extrakosten im Kleingedruckten vergüten. Diese würden im Fall der Fälle die Kostenquote weiter in die Höhe treiben. Wenn die die Antworten zu den Fragen in den Versicherungsbedingungen nicht finden kannst, hilft oft auch ein direktes Nachfragen beim Anbieter. Wenn du keine klare und eindeutige Antwort bekommst, ist dies kein gutes Zeichen und sollte dich stutzig machen.
  5. Anlage

    Zuletzt solltest du auch auf die Anlage deiner Fondsgebundenen Rentenversicherung achten. Legt der Versicherer deinen Beitrag in teure aktiv gemanagte Fonds an? Diese sind i.d.R. sehr teuer, im Allgemeinen jedoch nicht besser als der Markt. Die Kosten des Fonds findest du als TER (Total Expense Ratio) in einem Prozentsatz ausgewiesen. Meiner Meinung nach ist eine TER über 0,4% zu teuer und kostet dich nur Rendite. In solch einem Fall würde ich versuchen den Fonds in einen kostengünstigen und breit gestreuten ETF zu tauschen, der kann das meist nämlich weit besser. Beispielsweise einen ETF auf den MSCI World. Außerdem solltest du prüfen, ob die Anlage nur in Aktienfonds oder auch in Anleihefonds erfolgt. Grundsätzlich gilt, dass Aktien stärker schwanken, historisch aber eine bessere Rendite erzielen als Anleihen. Je länger die Restlaufzeit deines Vertrages, desto höher kann der Aktienanteil ausfallen. Ist deine Laufzeit noch länger als 13 Jahre? Ich persönlich würde dann zu 100% in Aktien anlegen. Eine Anlage in den Deckungsstock des Versicherers (ein Anlagestock des Versicherers in der das gesamte Versicherungskollektiv einzahlt) ist immer sehr genau zu prüfen, ist dort die Aktienquote aufgrund gesetzlicher Vorgaben i.d.R. nur marginal vorhanden.

Grundsätzlich gibt es bei der Prüfung, ob sich der Wechsel deiner vorhandenen Fondsgebundenen Rentenversicherung lohnt, noch einige weitere Punkte zu beachten. Um diesen Beitrag nicht ins unermessliche anschwellen zu lassen, habe ich mich hier jedoch auf eine Top 5 Liste beschränkt. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du alle Punkte korrekt geprüft hast, kann ich dir auch persönlich weiterhelfen. Hierzu biete ich zu einem Fixpreis in Höhe von 199€ einen Vertragscheck mit schriftlichem Protokoll und anschließender Auswertung im persönlichen 30min Gespräch per Video-Call an. Da du bei einem Vertragswechsel zu einem besseren Tarif später bis zu 20% mehr Guthaben und somit eine weit höhere Rente erwarten kannst, lohnt sich eine Vertragsprüfung für fast jeden. Gerne helfe ich dir unter folgendem Link weiter: Zur Vertragsprüfung

Wenn du die Prüfung selbst vornehmen möchtest, würde ich dir gerne noch folgendes mit auf den Weg geben. Die Checkliste ist manchmal etwas negativ geschrieben und vermittelt den Eindruck die Versicherer möchten eh nur dein Bestes, nämlich nur dein Geld. Warum dann nicht einfach gleich sein lassen…? Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche, nur die gesetzliche Rente wird für einen komfortablen Ruhestand zukünftig nicht ausreichen. Hierzu gibt es unzählige Studien. Deshalb ist eine zusätzliche Altersvorsorge unglaublich wichtig. Wie überall im Leben gibt es auch in der Versicherungsbranche schwarze Schafe, es gibt jedoch auch einige sehr gute, ehrliche und faire Produkte. Wichtig ist, dass du ein solches gutes Produkt hast und es dann auch bis zum Ende durchziehst. Dann steht einer komfortablen Zukunft als Rentner auch nichts mehr im Wege.

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